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Donnerstag, 23. Juni 2011

Meine Erfahrungen im Krankenhaus – Barrierefreiheit? Nicht immer!

Im Sommer 2006 habe ich mit einen Freund am Wochenende Fußball WM im TV geguckt und mir wurde schwindlig. Ich wurde ohnmächtig und war 5 Minuten lang nicht ansprechbar. Als man versuchte, mich zu wecken wurde ich langsam wach und habe dann begriffen, was passiert war. Nach wenigen Minuten war ein Krankenwagen da und ich war so aufgeregt, sodass ich  schlecht mit dem Notarzt kommunizieren konnte. Im Krankenhaus wurde ich behandelt und eine Dolmetscherin war anwesend. Die Ärzte haben mich für dumm gehalten und meine Beschwerde am Kopf und Halswirbel nicht ernst genommen. Ich habe mehrmals gezeigt und gesagt, wo ich Schmerzen habe. Ich wurde dann im Zimmer gebracht. Wenigstens waren Krankenschwestern nett. Ich schlief die Nacht durch und hatte am nächsten Tag Arztvisite. Die Dolmetscherin war schon am Tag davor nach Untersuchung nach Hause gegangen. Ich war also alleine mit den Ärzten. Der Arzt war nicht vorbereitet und hat die Krankenschwester gefragt, was er mit mir machen soll, da ich ja „taubstumm“ bin und keine Dolmetscherin da war. Die Krankenschwester hat ihn beruhigt und gesagt, dass sie kein Problem mit mir hatte. Ich konnte durch den Lippen absehen verstehen und habe ihn klar gesagt, dass er ruhig mit mir reden kann, wenn er langsam und deutlich spricht. Da war er verblüfft und war für kurze Zeit sprachlos und fragte mich, wieso ich gestern nichts gesprochen habe. Ich habe ihm erklärt, dass ich im Schock und aufgeregt war. Er hat sich für seine Bemerkungen entschuldigt und wollte mehr wissen, wie ich lebe und wo ich zur Schule gehe und wie mein Werdegang aussieht und und und.

Nach paar Jahre später hatte ich ein anderes Erlebnis mit Krankenhaus und zwar:

Im April dieses Jahres habe ich mir den Fuß umgeknickt und ich musste wieder ins Krankenhaus. Ich habe bei der Anmeldung gesagt, dass ich taub bin und mein Fuß verletzt ist und als der Papierkram fertig ist, saß ich im Wartezimmer und wartete mit meinem Freund zusammen bis ich aufgerufen werde. Eine Ärztin kam auf mich zu und gebärdete, wie sie heißt und ob ich taub bin und ich bitte mitkommen soll. Da war ich sprachlos und auch happy gewesen, weil ich das noch nie erlebt habe und ich auch sehr neugierig war. Es wurde Untersuchungen durchgeführt – alles in Gebärdensprache und direkter Kommunikation. Ich hatte zum Glück keinen Knöchelbruch und mein Fuß war nur verstaucht und die Heilung hat lang gebraucht. Ich bin mit großer Zufriedenheit nach Hause gegangen.

Fazit: Ich finde die direkte Kommunikation mit Ärzte o.a. sehr gut und wichtig, da habe ich Vertrauen. Ich hoffe, dass mehr Ärzte oder andere Behördenmitarbeiter Gebärdensprache lernen und bieten Beratung o.a. für tauben Menschen persönlich vor Ort an. Denn es ist oft schwierig in Notsituationen rechtzeitig einen Dolmetscher zu besorgen. Bei mancher Situation hat man keine Zeit zu warten. Da muss man schnell handeln. Oft höre ich, dass es ein Kostenaufwand ist. Ich fände es schade, denn in andere Sprache zum Beispiel chinesisch, türkisch werden Dolmetscher öfter angeboten als die Gebärdensprache.

Kommentare:

  1. Ja, es ist nicht selbstverständlich, dass überall jemand da ist, der dolmetschen kann. Dies gilt nicht nur für die Gebärdensprache, sondern auch für diverse Fremdsprachen. Wichtig finde ich, dass niemand voreingenommen ist. Kommunikation ist sehr wichtig und einen Weg sich zu verständigen gibt es in der Regel immer.

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  2. WENN sich dann aber ein Arzt oder Behördenmitarbeiter oder wer auch immer die Mühe macht, DGS zu lernen, sollte man das dann vielleicht auch unterstützen, damit der- oder diejenige Praxis bekommt, und nicht einfach sagen: Ist mir zu anstrengend, komm wieder, wenn du´s kannst.

    DANN darf man sich auch nicht wundern, wenn der- oder diejenige dann auch sagt: DGS lernen ist mir zu anstrengend und bringt eh nichts, weil man´s nicht ständig praktizieren kann....also komm wieder mit Dolmi.

    Für uns ist das nämlich auch nicht mal eben mit links gelernt....

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